Zwischen den Welten

Seit Januar 2013 leite ich als Chefredakteur die österreichische Monatszeitschrift "miteinander". Sie versteht sich als zentrales Organ der "Berufungspastoral", also des kirchlichen Bemühens um authentisch und gelebte Nachfolge. Zusammengefasst in unseren drei Schlagworten: "bewegt.berufen.engagiert". Im Folgenden publiziere ich mein Editorial zur Juli/August-Nummer "Glaube geht":

 

Einfach weg. Den Alltag hinter sich lassen. Wer will das nicht hin und wieder? Wer immer nur funktionieren muss, möchte manchmal ausbrechen, hinein ins scheinbar Zweckfreie. Kein Wunder, dass angesichts dieser existenziell-modernen Erfahrung auch die Zahl der Pilger, der spirituellen Glückssucher steigt. Pilgern ist schließlich die säkulare Verheißung des ganz Anderen im Hier und Jetzt. Ein Stück Himmel auf Erden. Selbst religiös unmusikalische Menschen können dem etwas abgewinnen.

„Ich bin einfach von der Couch aufgestanden, habe Chips und Cola-Dose weggestellt und bin losgegangen.“ So beschreibt der bekannte deutsche Komiker Hape Kerkeling seine Erfahrung als Pilger auf dem Jakobsweg, die er in dem Bestseller „Ich bin dann mal weg“ zu Papier gebracht hat. Und er hat damit offenbar ins Schwarze getroffen, ist die Zahl der Pilger auf dem Jakobsweg doch deutlich auf zuletzt rund 200.000 pro Jahr angestiegen. Etwa 1.800 davon kommen aus Österreich.

 

Doch auch Österreich ist Pilgerland. Hunderttausende Menschen machen sich hierzulande Jahr für Jahr auf den Weg zu den unzähligen heimischen Wallfahrtsorten. Ob Mariazell, Maria Taferl oder eines der zahlreichen Stifte: Überall trifft man in den Sommermonaten auf jene bunte Melange aus religiös Suchenden, spirituellen Glücksrittern und areligiösen Manager-Macher-Typen, die Pilgern zu einem Megatrend der Moderne werden ließen.

 

"miteinander" hat sich auf die Spuren dieser Menschen, ihrer Hoffnungen und Träume begeben. Von ihnen kann man lernen, dass Pilgern mehr meint als Naturerfahrung und Ausdauersport. Pilgern ist eine Lebenshaltung. Es meint ein Leben in Weggemeinschaften, ein Dasein in steter Abschiedlichkeit. Und doch orientiert hin auf ein großes Ziel, auf etwas, das – frei nach Ernst Bloch – allen in die Kindheit scheint, wo aber noch niemand war: Heimat.

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