Danken lernen

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Seit Januar 2013 leite ich als Chefredakteur die österreichische Monatszeitschrift "miteinander". Sie versteht sich als zentrales Organ der "Berufungspastoral", also des kirchlichen Bemühens um authentisch und gelebte Nachfolge. Zusammengefasst in unseren drei Schlagworten: "bewegt.berufen.engagiert". Im Folgenden publiziere ich mein Editorial zur September-Nummer "ErnteDank":

 

Mein Großvater ist 93 Jahre alt und für sein Alter erstaunlich fit. Altersgemäße Zipperlein trägt er nicht nur mit Fassung, sondern mit viel Humor. Der Tod ist für ihn, scheint’s, keine Option. Bis vor zwei Jahren hat er seinen großen Gemüsegarten penibel selbst gepflegt. Und er hat für mich in einer selbstgeschriebenen Gartenfibel festgehalten, was es dabei zu beachten gilt. Gute Ernten fallen schließlich nicht vom Himmel. Der Boden will bereitet sein, die Fruchtfolge muss beachtet werden. „Aber selbst nach fast 70 Jahren Gartenarbeit lerne ich noch immer von der Natur.“

Sein Leben lief nicht immer in beschaulichen Bahnen. Er erlebte den Krieg mit all seiner Hässlichkeit und Härte, die entbehrungsreichen Nachkriegsjahre in einem in Schutt und Asche liegenden Deutschland, aber auch die Freuden einer wachsenden Familie, schließlich die Freuden zahlreicher Enkelkinder. Gelebte Religiosität gehört so selbstverständlich zu seinem Leben wie der sonntägliche Kaffee in einem nahen Bauerncafé. Kurz: Seine Lebensernte fällt reich aus, festgehalten im Übrigen auf tausenden Tagebuchseiten.

 

Warum erzähle ich Ihnen das? Weil sich am Beispiel dieses Lebens die ganze Spannweite dessen zeigt, was Erntedank bedeutet: das sorgsame Hören auf die den Menschen selbst in der modernen Welt durchpulsende Natur und ihre Rhythmen, das Wissen um das Zusammenspiel von Aussaat und guter Ernte – und schließlich die Ahnung des verdankten Lebens; die Ahnung davon, dass die eigene Lebensernte nicht immer nur Frucht des eigenen Tuns ist.

 

Erntedank meint eine Art Lebensschule der Dankbarkeit – aber es meint immer auch ein Stück weit Widerstand; Widerstand gegen ein Auseinanderdriften von Welt und Mensch, gegen die Entvölkerung des Himmels, gegen sinnlose Leere einer durch und durch technisierten Welt. Erntedank ist – obgleich bereits von Abbruch und Welken gezeichnet – ein Hoffnungsfest. Es verbreitet die warme Gewissheit, dass nichts umsonst ist: kein alltägliches Ringen, keine Mühen, keine Aussaat.

 

Mein Großvater hatte in seiner Zeit als aktiver Gärtner eine besondere Angewohnheit: Er ging stets sehr früh am Morgen in den Garten, um zu säen, zu jäten, zu ernten, zu gießen. Wer reich ernten will, muss früher aufstehen, muss aufgeweckter sein als andere. Auch das ist eine seiner Weisheiten. Aber noch etwas lehrte er mich: In der Ruhe des Morgens liegt die Kraft des gesamten Tages. Diese Kraft hat ihm einen langen Lebensatem verschafft. Und die Zuversicht, dass das Ende kein Ende ist, sondern der Silberstreifen eines anbrechenden neuen Tages.

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Kommentare: 7
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